Führen in der Ungewissheit, Teil 2: Warum Resilienz kein Buzzword ist – und was wir als Führungskräfte in der Krise tun können
- Marcus

- 26. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Myla Ramos’ Beitrag auf HRMorning über resiliente Staffing-Leaders trifft es sehr gut. Ich unterstütze ihre Perspektive: Souveräne Führung entsteht dort, wo Empathie und Entscheidungsfreude sich nicht ausschließen, sondern gegenseitig stärken.
Resilienz beginnt bei der Führungskraft – nicht beim Team
„Resilient leaders don’t wait for normal to return. (Spoiler: It won’t.)“
Dieser Satz von Myla steht für zeitgemässe Führung. Denn die Wahrheit ist unbequem: Das alte „Normal“ kehrt nicht zurück. Und das ist auch gut so.
Resilienz bedeutet, im Wandel handlungsfähig zu bleiben, nicht ihn zu vermeiden.
Das ist kein Prozess, sondern eine Haltung – gespeist aus zwei Quellen: Empathie und Entscheidungsfreude.
Empathie ist kein Soft Skill, sondern Realitätssinn. Sie zwingt uns, wahrzunehmen, wo unser Team wirklich steht. Entscheidungsfreude wiederum ist die Fähigkeit, trotz Unsicherheit mutig zu handeln.
Gemeinsam erzeugen sie Souveränität:
Empathie erkennt, Entscheidungsfreude handelt.
Cross-Training: Was wie Prozess klingt, ist in Wahrheit Kulturarbeit
Ramos empfiehlt: „Build in redundancy. Cross-train. Document everything.“
Klingt technisch, ist aber zutiefst menschlich. Cross-Training gelingt nur, wenn Vertrauen vorhanden ist. Wenn Teammitglieder sich trauen zu sagen: „Ich weiß das noch nicht“, ohne Angst vor Gesichtsverlust. Und wenn es für alle problemlos machbar ist, ihr Wissen zu teilen, im Vertrauen darauf, dass sie nicht danach durch eine günstigere Variante ersetzt werden.
Wer lernt was? Wie dokumentieren wir Wissen? Welche Redundanzen sichern wir bewusst ab? So entsteht eine Kultur, die nicht auf Helden setzt, sondern auf Zusammenarbeit.
Empathie hilft hier die zwischenmenschlichen Dynamiken zu verstehen, entscheidungen helfen dabei, diese Dynamiken in die richtige Richtung zu bringen.
Technologie darf fordern – aber nicht entmenschlichen
Ramos bringt es wunderbar auf den Punkt:
„If your ATS makes your team cry, it’s not a tool. It’s a trap.“
Ich unterstütze das zu 100 %. Technologie soll Arbeit erleichtern – nicht Emotionen wecken, die demotivieren und zu sinkendenem Engagement führen. Technik darf Spass machen
Empathische Führung heißt: zu verstehen, wie Tools auf Menschen wirken.
Entscheidungsfreude heißt: mutig Konsequenzen ziehen, wenn sie es nicht tun.
Führung darf Technik lieben, aber sie darf sie nie über Menschen stellen.
„Be the calm, not the chaos“ – Souveränität ist spürbar
Ich mag diesen Satz sehr:
„Be the calm, not the chaos.“
Denn souveräne Führung hat nichts mit Kälte oder Kontrolle zu tun. Sie hat mit innerer Ruhe zu tun. Die Chefin, die Ruhe ausstrahlt, der Teamleiter der durch seine Gelassenheit zeigt: "Wir schaffen das."
In Krisen zeigt sich, wer führt:
Nicht der Lauteste, nicht der Schnellste – sondern derjenige, der ruhig bleibt, zuhört und trotzdem entscheidet.
Empathie hilft, Emotionen zu verstehen. Entscheidungsfreude hilft, Orientierung zu geben.
Beides zusammen schafft Präsenz – das, was Teams in schwierigen Zeiten am meisten brauchen.
Souveränität ist kein Zustand. Sie ist tägliche Praxis.
Caring is the new KPI
„Care like you mean it.“ Besser kann man es nicht sagen.
Empathie bedeutet, sich ehrlich für Menschen zu interessieren – nicht als „Engagement-Score“, sondern als Haltung. Zu fragen, wenn jemand stiller wird. Zu handeln, bevor jemand ausbrennt.
Entscheidungsfreude übersetzt diese Haltung in Strukturen: Flexible Modelle, gesunde Arbeitszeiten, transparente Kommunikation. Empathie erkennt das Menschliche, Entscheidungsfreude institutionalisiert es.
Resilienz ist Mannschaftssport, kein Soloakt
„You’re only as strong as your weakest link.“ Ramos hat recht.
Resilienz ist keine individuelle Tugend, sondern eine kollektive Fähigkeit.
Führungskräfte, die nur auf persönliche Stärke setzen, übersehen den Kern:
Resilienz entsteht in Beziehungen.
Empathie erkennt, wer gerade Unterstützung braucht. Entscheidungsfreude sorgt dafür, dass diese Unterstützung auch gegeben ist.
Das Ergebnis? Teams, die sich nicht gegenseitig ausbrennen, sondern gemeinsam stärker werden.
Es bleibt dabei: Gute Führungskräfte haben beides Empathie und Entscheidungsstärke
Lyly Ramos liefert in ihrem HRMorning-Artikel weitere Argumente zu dem, was ich in meinem eigenen Blog als „souveräne Führung“ beschrieben habe: Empathie und Entscheidungsfreude sind keine Gegensätze, sondern die zwei Achsen moderner Führung.
Empathie spürt, was ist.
Entscheidungsfreude gestaltet, was kommt.
Resilienz ist das Resultat – die gemeinsame Fähigkeit, in Unsicherheit stabil zu bleiben.
Führung braucht weniger Heldentum und mehr Haltung.
Weniger Kontrolle, mehr Bewusstsein. Weniger Prozessfixierung, mehr Menschlichkeit.
Denn die wahre Führungsstärke zeigt sich nicht, wenn alles läuft – sondern wenn man in der Ungewissheit ruhig, klar und menschlich bleibt.









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