Warum „Uncompeting Leadership“ in Krisenzeiten erfolgreich ist und Führungskräfte auf Zusammenarbeit statt Konkurrenz setzen sollten
- Marcus

- 4. Jan.
- 5 Min. Lesezeit

Unsichere Märkte, technologische Umbrüche, geopolitische Spannungen und steigende Erwartungen von Mitarbeitenden und Kund:innen prägen aktuell das Umfeld vieler Organisationen. Führung findet heute unter Bedingungen statt, die komplexer, dynamischer und weniger vorhersehbar sind als je zuvor. Genau in diesem Kontext setzt ein aktueller Artikel von Fast Company ein starkes inhaltliches Signal:
Führungsteams sind in solchen Zeiten erfolgreicher, wenn sie gezielt kollaborativ und weniger kompetitiv agieren – also Konkurrenzmechanismen abbauen und die Zusammenarbeit systematisch stärken.
Der Beitrag beschreibt „Uncompeting Leadership“ nicht als idealistisches Wunschbild, sondern als bewusst gestaltetes Führungsprinzip. Es geht nicht darum, Wettbewerb grundsätzlich auszublenden, sondern ihn innerhalb von Organisationen gezielt zu regulieren, damit er nicht zerstörerisch wirkt, sondern Leistungsfähigkeit, Innovation und Stabilität fördert.
Diese Perspektive deckt sich in hohem Maße mit meiner eigenen Haltung. Ich habe über viele Jahre erlebt, dass nachhaltiger Erfolg weniger aus Rivalität entsteht, sondern aus klarer Verantwortung, Vertrauen und echtem Zusammenspiel – zwischen Führungskräften, Teams, Peers und Partnern.
Uncompeting Leadership: Erfolgreich führen in unsicheren Zeiten
Der Fast-Company-Artikels postuliert, dass in unsicheren, komplexen Zeiten sind Organisationen erfolgreicher, wenn Führung nicht primär über Wettbewerb, sondern über gezielte Kooperation gestaltet wird.
Klassische Wettbewerbslogiken – wer schneller ist, wer sichtbarer ist, wer sich stärker durchsetzt – erzeugen kurzfristig oft hohe Energie. Langfristig aber führen sie häufig zu:
Silodenken
politischem Verhalten
Ressourcenknappheit im Kopf („Scarcity Mindset“)
sinkender psychologischer Sicherheit
abnehmender Innovationsbereitschaft
Uncompeting Leadership setzt genau hier an. Es bedeutet, Konkurrenzmechanismen aktiv zu gestalten, statt sie sich selbst zu überlassen. Führungskräfte übernehmen Verantwortung dafür, wie Leistung entsteht – nicht nur dafür, wie sie gemessen wird. Entscheidend ist dabei nicht das Abschaffen von Leistungsorientierung, sondern deren kluge Rahmung:
Zusammenarbeit wird gezielt belohnt
psychologische Sicherheit wird systematisch gestärkt
Anreizsysteme werden neu ausgerichtet
Arbeitsmodelle werden kooperationsfähig gestaltet
Der bewusste Umgang mit Neid: Motivation statt Zerstörung
Ein besonders differenzierter Aspekt des Artikels ist der Umgang mit dem Thema Neid, das im Kontext von Leistung oft unausgesprochen bleibt. Die Autorin unterscheidet zwischen:
„Positivem Neid“, der anregend wirken kann, weil er Motivation erzeugt
„Negativem Neid“, der destruktiv wirkt, weil er Missgunst, Rückzug oder Sabotage fördert
Uncompeting Leadership bedeutet nicht, Leistungsunterschiede zu leugnen – sondern den Blick gezielt auf den Weg hinter den Ergebnissen zu lenken:
Welche Anstrengung steckt hinter einem Erfolg?
Welche Lernkurven waren nötig?
Welche Unterstützung war beteiligt?
Führung, die so kommuniziert, erzeugt Nachvollziehbarkeit statt bloßem Vergleich. Das reduziert zerstörerischen Neid und stärkt ein Klima, in dem Menschen sich gegenseitig als Impulsgeber statt als Gegner wahrnehmen.
Anreiz- und Karrieresysteme: Leistung neu rahmen
Ein zentrales Handlungsfeld von Uncompeting Leadership liegt in der Gestaltung von Anreiz- und Karrieresystemen. Der Fast-Company-Artikel macht deutlich, dass Organisationen langfristig erfolgreicher sind, wenn sie:
nicht ausschließlich individuelle Leistung belohnen
sondern konkrete Kooperationsbeiträge sichtbar machen
Teamleistung systematisch in Zielvereinbarungen integrieren
Gruppenerfolge explizit würdigen
Studien und Praxisbeispiele zeigen, dass gruppenbezogene Anreize die Performance nicht schwächen, sondern im Gegenteil häufig steigern. Der Grund ist nicht nur ökonomisch, sondern kulturell:
Wenn Erfolg als gemeinsamer Erfolg wahrgenommen wird, entsteht:
höhere Identifikation
mehr Verantwortungsübernahme
mehr Wissenstransfer
stabilere Leistungsfähigkeit über Zeit
Damit wird Leistung nicht nivelliert, sondern breiter tragfähig.
Arbeitskultur: Warum Dauerverfügbarkeit Kooperation erschwert
Ein weiterer wichtiger Aspekt des Artikels ist die kritische Betrachtung sogenannter „Always-on“- und Hustle-Kulturen. Permanente Erreichbarkeit, impliziter Leistungsdruck und das Gefühl, ständig „liefern zu müssen“, verstärken Wettbewerb und ein Gefühl chronischer Knappheit.
Uncompeting Leadership setzt hier einen bewussten Kontrapunkt:
klare Grenzen bei Arbeitszeiten
Respekt für Erholungsphasen
realistische Leistungsanforderungen
bewusster Umgang mit Erreichbarkeit
Diese Rahmenbedingungen wirken auf den ersten Blick „weich“, haben aber einen direkten Einfluss auf Kooperationsfähigkeit. Wer ständig unter Druck steht, schützt zuerst sich selbst. Wer sich sicher fühlt, ist eher bereit, Wissen zu teilen, Verantwortung zu übernehmen und andere zu unterstützen.
Arbeitsmodelle für Zusammenarbeit statt Einzelkämpfertum
Der Artikel beschreibt auch sehr konkret, wie sich Zusammenarbeit strukturell fördern lässt – jenseits von Appellen. Dazu zählen unter anderem:
Jobsharing-Modelle
flexible Arbeitszeit- und Rollenmodelle
kleine, cross-funktionale Teams
klar definierte gemeinsame Verantwortungsbereiche
All diese Modelle verschieben Ownership weg vom Einzelnen hin zum Team. Verantwortung wird sichtbar geteilt, nicht implizit individualisiert. Das steigert nicht nur die Qualität von Ergebnissen, sondern auch die Stabilität von Organisationen – gerade in Krisenzeiten.
Co-Leadership als sichtbares Zeichen für Uncompeting auf Top-Ebene
Besonders spannend ist der Blick auf Co-Leadership-Modelle, die der Artikel als Beispiel für institutionalisiertes Uncompeting anführt – etwa in Form von Co-CEOs oder geteilten Führungsrollen.
Solche Modelle zeigen sehr deutlich:
Führung muss nicht zwangsläufig hierarchisch exklusiv sein
unterschiedliche Stärken können sich ergänzen
Verantwortung lässt sich bewusst gemeinsam tragen
Macht wird geteilt – nicht verloren
Sie sind ein starkes Symbol dafür, dass Zusammenarbeit nicht nur erwartet, sondern vorgelebt wird. Gerade auf oberster Ebene entfalten solche Modelle enorme kulturelle Wirkung.
Wettbewerb gestalten statt verdrängen
Wichtig ist eine Differenzierung, die der Fast-Company-Artikel sehr klar trifft:
Uncompeting bedeutet nicht, Wettbewerb abzuschaffen. Organisationen stehen selbstverständlich weiterhin im Wettbewerb – um Märkte, Kunden, Innovationen und Talente.
Der Unterschied liegt darin, wie Wettbewerb intern gerahmt wird:
Wird er als Gegeneinander inszeniert?
Oder als gemeinsames Streben nach Exzellenz?
Uncompeting Leadership bedeutet, Wettbewerb nicht dem Zufall zu überlassen, sondern ihn durch Strukturen, Rituale, Anreizsysteme und Kommunikation so zu gestalten, dass er Leistungsfähigkeit stärkt, ohne Zusammenhalt zu zerstören.
Meine persönliche Haltung zu Uncompeting Leadership
Viele der Gedanken aus dem Artikel sind für mich keine theoretischen Konzepte, sondern praktische Erfahrung. Über Jahre hinweg habe ich immer wieder erlebt:
Zusammenarbeit erzeugt Lösungen, die Einzelne nicht entwickeln
geteilte Verantwortung erhöht Verbindlichkeit
Vertrauen beschleunigt Entscheidungen
Transparenz reduziert Reibungsverluste
echte Partnerschaft schafft Stabilität
Ob mit Peers, in Führungsteams oder in der Zusammenarbeit mit internen und externen Partnern – Win-Win-Denken war für mich nie naiv, sondern stets Ausdruck von strategischem Verständnis. Nachhaltiger Erfolg lässt sich nicht gegen andere gestalten, sondern nur mit anderen.
Was Uncompeting Leadership von Führungskräften konkret verlangt
Der Fast-Company-Artikel macht deutlich: Zusammenarbeit entsteht nicht durch Appelle, sondern durch bewusstes Gestalten. Dazu gehören unter anderem:
Psychologische Sicherheit aktiv herstellen
Führungskräfte setzen den Ton für Offenheit, Fehlerkultur und respektvollen Austausch.
Anreize konsistent ausrichten
Teamleistung muss real messbar und sichtbar belohnt werden.
Kooperationsfähige Arbeitsmodelle ermöglichen
Flexible Strukturen, geteilte Verantwortung und klare Rollen fördern Miteinander.
Erfolge kontextualisieren, nicht isolieren
Nicht nur Ergebnisse, sondern auch Wege und Beiträge sichtbar machen.
Zusammenarbeit sichtbar vorleben
Gerade auf Führungsebene entscheidet das eigene Verhalten über die Glaubwürdigkeit des Anspruchs.
Fazit: Uncompeting Leadership als strategische Zukunftskompetenz
Der Fast-Company-Artikel versteht Uncompeting Leadership nicht als kulturelles „Nice-to-have“, sondern als strategische Antwort auf eine Welt, die unsicherer, schneller und komplexer geworden ist.
In solchen Zeiten:
reicht individuelle Brillanz nicht mehr aus
wird Wissen zu schnell zu breit
sind Lösungen zu vielschichtig
sind Märkte zu dynamisch
Erfolgreich sind jene Organisationen, die es schaffen, kollektive Intelligenz, geteilte Verantwortung und echte Zusammenarbeit systematisch zu aktivieren.
Für mich ist Uncompeting Leadership deshalb kein Modebegriff, sondern eine zeitgemäße Form von Führungsreife. Sie verbindet Leistungsorientierung mit Menschlichkeit, Ambition mit Vertrauen und Wettbewerb mit Kooperation.
Gerade in Krisenzeiten zeigt sich, welches Führungsverständnis trägt.
Und genau hier entfaltet Uncompeting Leadership seine größte Stärke.









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