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Der interne Talentmarktplatz der Zukunft: Wie KI die Talententwicklung revolutioniert – und worauf Unternehmen achten müssen

  • Autorenbild: Marcus
    Marcus
  • 21. Dez. 2025
  • 5 Min. Lesezeit


Vor Kurzem hatte ich ja bereits über das Potenzial interner Talentmarktplätze in Krisenzeiten geschrieben. Heute will ich die Chancen beleuchten, die KI mit ihren Möglichkeiten in diesem Thema bietet.


Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Fachkräftemangel, neue Technologien und flexible Arbeitsmodelle stellen Unternehmen vor enorme Herausforderungen. Doch gerade in dieser Dynamik liegt auch eine grosse Chance: Talente gezielt intern zu fördern, statt sie teuer extern zu suchen.


Interne Talentmarktplätze – digitale Plattformen, die Mitarbeitende mit Projekten, Rollen oder Lernmöglichkeiten vernetzen – gelten als einer der vielversprechendsten Ansätze, um internes Potenzial sichtbar zu machen. Mit dem Einzug von Künstlicher Intelligenz (KI) entwickelt sich dieses Konzept jetzt rasant weiter. KI-gestützte Talentmarktplätze erkennen Kompetenzen, schlagen Entwicklungspfade vor und gleichen diese mit den Unternehmenszielen ab – präzise, transparent und skalierbar.


Doch so gross die Chancen auch sind: Der Weg zum funktionierenden, fairen und akzeptierten internen Talentmarktplatz ist anspruchsvoll.



Auffrischung: Was ist ein interner Talentmarktplatz – und warum braucht man ihn?


Ein interner Talentmarktplatz ist ein digitales Matching-System, das Mitarbeitende und interne Möglichkeiten zusammenbringt: Projektarbeit, temporäre Rollen, Lernangebote, Mentoring oder neue Karrierepfade.


Statt dass HR oder Führungskräfte allein entscheiden, wer wohin passt, macht die Plattform interne Talente sichtbar – auf Basis ihrer Fähigkeiten, Erfahrungen, Interessen und Ambitionen.


Die Vorteile liegen auf der Hand:


  • Bessere Talentmobilität: Mitarbeitende können sich intern weiterentwickeln, statt extern zu wechseln.

  • Schnellere Besetzung von Schlüsselrollen: Offene Positionen werden mit bereits bekannten, vorqualifizierten Personen besetzt.

  • Geringere Fluktuation: Wer Entwicklungschancen sieht, bleibt eher im Unternehmen.

  • Höhere Transparenz und Fairness: Karrieremöglichkeiten hängen weniger von Netzwerken oder Zufall ab.


Mit KI wird dieses Prinzip auf ein neues Niveau gehoben.



Wie KI interne Talentmarktplätze intelligenter macht


Frühere Systeme basierten meist auf Selbstauskünften und Stichwortsuchen. Moderne KI-gestützte Plattformen gehen weit darüber hinaus. Sie analysieren grosse Mengen an Daten – Lebensläufe, Projektergebnisse, Lernaktivitäten, Feedbacks – und erkennen Muster, die für Menschen oft unsichtbar bleiben.


1. Intelligentes Skill-Matching:

KI versteht Zusammenhänge zwischen Kompetenzen, Rollen und Erfahrungen. Sie erkennt zum Beispiel, dass ein:e Marketingmanager:in mit Data-Analytics-Erfahrung auch für das Produktmanagement geeignet sein könnte.


2. Predictive Analytics:

KI kann auf Basis von Unternehmens- und Marktdaten zukünftige Talentbedarfe und Karrierepfade vorhersagen. Das hilft, Engpässe frühzeitig zu erkennen und die Nachfolgeplanung vorausschauend zu gestalten.


3. Personalisierte Entwicklung:

Anstatt standardisierter Schulungen erstellt KI individuelle Lern- und Entwicklungspfade, abgestimmt auf Ziele, Lernverhalten und verfügbare Zeit.


4. Bias-Reduktion:

Durch Fairness-Algorithmen lassen sich unbewusste Vorurteile im Matchingprozess verringern – etwa hinsichtlich Geschlecht, Alter oder Hintergrund.


5. Echtzeit-Feedback und Engagement-Messung:

KI kann Mitarbeiterstimmung und Lernfortschritte analysieren und so frühzeitig erkennen, wo Motivation oder Entwicklung stocken.


Diese Kombination führt zu einem lebendigen, lernenden System, das sich ständig selbst verbessert – und HR von Routinearbeit entlastet.



Der Nutzen für beide Seiten: Talente und Talentmanager


Für Mitarbeitende bedeutet ein KI-gestützter Talentmarktplatz mehr Transparenz, mehr Einfluss und mehr Entwicklung. Sie werden sichtbarer, weil nicht nur ihre formalen Titel, sondern auch ihre tatsächlichen Fähigkeiten, Soft Skills und Interessen zählen. Sie entdecken Karrierepfade, an die sie selbst nicht gedacht hätten, und erhalten individuelle Lernempfehlungen, die zu ihrem Lebens- und Arbeitsrhythmus passen. Gleichzeitig gewinnen sie an Selbstbestimmung, da sie aktiv an ihrer Entwicklung mitwirken können, statt auf Zufall oder Hierarchie zu hoffen.


Auch für HR und Talentmanager bietet die Technologie spürbare Vorteile. Sie erhalten einen stets aktuellen Überblick über die vorhandenen Kompetenzen und Potenziale im Unternehmen. Planung und Nachfolgeprozesse werden datenbasiert und dadurch präziser. Wer intern Chancen schafft, stärkt Bindung und Identifikation. Zudem trägt ein fairer, objektiver Matchingprozess zur Diversität bei und verbessert das Employer Branding.


KI schafft eine neue Balance zwischen individueller Entwicklung und strategischem Workforce Management.


Voraussetzungen für den Erfolg eines KI-gestützten Talentmarktplatzes


Damit ein interner Talentmarktplatz erfolgreich funktioniert, müssen Unternehmen bestimmte Grundlagen schaffen.


Die wichtigste ist eine saubere, konsistente Datenbasis. Ohne gepflegte Profile, aktuelle Lebensläufe und klar definierte Skill-Taxonomien kann keine KI sinnvolle Muster erkennen. Ebenso entscheidend ist Transparenz beim Datenschutz: Mitarbeitende müssen wissen, welche Daten erhoben werden, wie sie genutzt und geschützt werden. Vertrauen ist die Grundvoraussetzung für Akzeptanz.


Darüber hinaus braucht es eine offene Unternehmenskultur, in der interne Mobilität gefördert und nicht blockiert wird. Führungskräfte müssen bereit sein, Talente auch an andere Teams abzugeben. Gleichzeitig sollten HR-Systeme wie ATS, HRIS, Learning-Plattformen und Kollaborationstools miteinander integriert sein, damit Daten nahtlos fliessen können.


Nicht zu unterschätzen ist die Kompetenzentwicklung im HR-Team. HR- und Recruiting-Verantwortliche benötigen digitale und analytische Fähigkeiten, um KI-Daten korrekt zu interpretieren. Und schliesslich muss klar geregelt sein, wer die Plattform „bewirtschaftet“ – viele erfolgreiche Unternehmen benennen dedizierte Talent-Marketplace- oder TRM-Manager:innen, die die Datenqualität, die Kommunikation und das Nutzerengagement kontinuierlich sichern.



Fallstricke und Risiken


So gross die Vorteile, so real sind auch die Gefahren, wenn KI unbedacht eingesetzt wird:


  • Bias bleibt ein Thema: Algorithmen lernen aus historischen Daten – und können alte Vorurteile fortschreiben, wenn sie nicht regelmäßig überprüft werden.

  • Transparenzmangel: Wenn Mitarbeitende nicht verstehen, wie Entscheidungen entstehen, sinkt die Akzeptanz.

  • Datenüberforderung: Zu viele unstrukturierte Informationen können Systeme verlangsamen und Ergebnisse verfälschen.

  • Technologie ohne Kultur: Ein moderner Marktplatz funktioniert nicht, wenn Führungskräfte weiterhin Talente „horten“ oder interne Mobilität blockieren.

  • Fehlende Betreuung: Ohne kontinuierliche Pflege und Kommunikation verwaisen Plattformen – egal wie gut die Software ist.


Die Lehre: Technologie allein löst keine Kulturprobleme. Sie verstärkt, was schon vorhanden ist – positiv wie negativ.


Was ein Unternehmen erfüllen muss, um den Erfolg zu sichern



Damit ein KI-basierter Talentmarktplatz tatsächlich Mehrwert liefert, sollten Unternehmen folgende Bedingungen schaffen:


  1. Strategische Verankerung: Der Marktplatz muss Teil der People-Strategie sein – kein isoliertes IT-Projekt.

  2. Top-Management-Sponsoring: Ohne Unterstützung der Führung bleibt die Initiative erfolglos.

  3. Interne Kommunikation: Mitarbeitende müssen wissen, warum die Plattform existiert und welchen Nutzen sie bietet.

  4. Lernkultur: Weiterbildung, interne Mobilität und Selbstverantwortung müssen positiv bewertet werden.

  5. Regelmässige Evaluation: Algorithmen und Prozesse müssen kontinuierlich auf Fairness, Effektivität und Akzeptanz geprüft werden.


Nur wenn Technik, Daten und Kultur zusammenspielen, entsteht ein Marktplatz, der tatsächlich Talente fördert, statt nur zu verwalten.



KI als Hebel für menschlichere Talententwicklung


Ein KI-gestützter Talentmarktplatz ist kein Selbstzweck, sondern ein Instrument, um Menschen und Organisationen besser zusammenzubringen.


Er zeigt, wo Stärken liegen, welche Wege sich eröffnen und wie Lernen gezielt gefördert werden kann. Für Unternehmen bedeutet das: bessere Nutzung vorhandener Kompetenzen, geringere Kosten und eine stärkere Bindung. Für Mitarbeitende: mehr Sichtbarkeit, Fairness und Selbstbestimmung.


Doch der Erfolg steht und fällt mit der Haltung:


KI kann Potenziale sichtbar machen – doch fördern müssen wir sie selbst.

Wer Technologie, Transparenz und Vertrauen verbindet, wird aus dem internen Talentmarktplatz mehr machen als ein HR-Tool: ein System, das Menschen wachsen lässt – und damit das Unternehmen mit.



Beispiele für führende Talentmarktplatz-Lösungen


Mehrere Anbieter haben sich auf KI-gestützte interne Talentmarktplätze spezialisiert. Hier eine Auswahl, die aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat:


  • Gloat – einer der Pioniere im Bereich AI-driven Talent Marketplaces; stark in Skill-Matching, Career Paths und Workforce Planning.

  • Fuel50 – bekannt für personalisierte Karrierepfade und hohe Nutzerfreundlichkeit.

  • Eightfold.ai – bietet tiefgehende Skill-Analysen, Matching und Predictive Analytics; integriert sich in bestehende HR-Systeme.

  • Workday Talent Marketplace – eingebettet in das Workday-Ökosystem, stark für große Unternehmen mit bestehender HRIS-Struktur.

  • Beamery – verbindet externes und internes Talent Relationship Management; geeignet für Organisationen mit globalem Recruiting-Fokus.


Bei der Auswahl gilt: Technologie ist wichtig – aber Integration, Datenqualität und Change Management sind entscheidender.

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